Serrai di Sottoguda - Durch eine Schlucht, die Geschichte schrieb

Sottoguda, eine kleine Fraktion der Gemeinde Rocca Pietore am Fuße der Marmolada in der Provinz Belluno, zählt seit November 2016 offiziell zu den „I Borghi più Belli d’Italia“, den schönsten Dörfern Italiens. Beim Spaziergang durch die engen Gassen wird schnell klar, warum das Bergdorf diese Auszeichnung erhalten hat. Alte Steinhäuser, blumengeschmückte Balkone und die beeindruckende Kulisse der Dolomiten verleihen Sottoguda seinen unverwechselbaren Charme.

 

Typisch für das Dorf sind die Tabièi, traditionelle Heu- und Getreidestadel aus Holz und Stein, die seit Jahrhunderten das Landschaftsbild prägen und ein bedeutender Bestandteil der ladinischen Kultur sind. Ebenso lebendig sind die alten Handwerkstraditionen. In kleinen Werkstätten werden bis heute kunstvolle Holzschnitzereien gefertigt und die jahrhundertealte Schmiedekunst gepflegt.

 

Der eigentliche Höhepunkt beginnt jedoch am Ortsrand. Hier öffnet sich der Eingang zu den Serrai di Sottoguda, einer rund zwei Kilometer langen Felsschlucht, die der Pettorina-Bach über Jahrtausende tief in den Dolomitfels gegraben hat. An manchen Stellen ragen die Felswände über 60 Meter senkrecht empor, während sich der Bach seinen Weg durch die schmale Klamm bahnt.


Jahrzehntelang führte eine schmale Straße durch diese beeindruckende Schlucht und verband Sottoguda mit Malga Ciapela. Am 29. Oktober 2018 änderte das Sturmtief Vaia jedoch alles. Nach außergewöhnlich heftigen Regenfällen verwandelte sich der Pettorina-Bach in einen reißenden Wildbach. Gewaltige Muren, Baumstämme und Felsblöcke zerstörten die Fahrbahn, Brücken und Stützmauern auf weiten Abschnitten vollständig. Die Schlucht musste gesperrt werden und blieb über Jahre hinweg unzugänglich.

 

Im Rahmen eines aufwendigen Wiederaufbaus wurden die Felswände gesichert, neue Brücken und Stege errichtet und der gesamte Verlauf der Klamm neu gestaltet. Dabei entschied man sich bewusst gegen den Wiederaufbau der Straße. Seit der Wiedereröffnung im Sommer 2024 ist die Schlucht ausschließlich zu Fuß begehbar. Zum Schutz der Besucher besteht Helmpflicht; der Schutzhelm ist im Eintrittspreis von 7 Euro für Erwachsene (2026) bereits enthalten.


Im Winter verwandeln sich die zahlreichen Wasserfälle in beeindruckende Eisfälle. Dadurch zählt die Schlucht zu den bekanntesten Eisklettergebieten der Dolomiten und zieht jedes Jahr Kletterer aus dem In- und Ausland an.

 

Das Dorf ist für Autos verboten, aber es gibt einen kostenlossen Parkplatz kurz vor dem Dorfeingang.

Unsere Wanderung beginnt im historischen Dorfzentrum von Sottoguda. Schon nach wenigen Minuten tauchen wir in die beeindruckende Schlucht ein. Moderne Holzstege, neu errichtete Brücken und gesicherte Felspassagen führen uns entlang des rauschenden Pettorina-Baches tief in die enge Klamm hinein. Immer wieder erzählen gewaltige Felsblöcke und neu errichtete Schutzbauten von der ungeheuren Kraft, mit der das Vaia-Unwetter diese Landschaft verändert hat.

 

Mit vier Pfoten ist diese Wanderung ebenfalls ein besonderes Erlebnis, da es keine Gitterstege, Treppen oder Eisenstege gibt. Trotzdem gilt Leinenpflicht und bitte Kotbeutel mitnehmen. Bei Regen kann die Schlucht aus Sicherheitsgründen kurzfristig geschlossen werden, also vorher Wetter checken. Der Weg ist technisch leicht und sehr gut ausgebaut. 

 

Nach rund zwei Kilometern öffnet sich die Schlucht und gibt den Blick auf Malga Ciapela unterhalb der Marmolada frei. Der Rückweg erfolgt auf derselben Strecke. Dabei zeigt sich die Klamm aus einer völlig neuen Perspektive und offenbart zahlreiche Details, die auf dem Hinweg leicht übersehen werden.


Die Wanderung durch die Serrai di Sottoguda ist weit mehr als ein Spaziergang durch eine spektakuläre Schlucht. Sie verbindet eindrucksvoll die Schönheit der Dolomiten mit der bewegenden Geschichte eines Naturraums, der nach der Zerstörung durch das Sturmtief Vaia mit viel Respekt vor der Landschaft neu gestaltet wurde und heute zu den eindrucksvollsten Schluchtwanderungen Norditaliens zählt.

Ein spektakuläres Video von Giorgio Ferrato, das unbedingt vor dem Besuch der Serrai di Sottoguda angeschaut werden sollte, um sich ein Bild zu machen von damals, als man noch einspurig mit Auto oder zu Fuß durch die Schlucht passieren konnte: empfehlenswert!


Tourendetails:

Start/Ziel: kostenloser Parkplatz außerhalb des Dorfes Sottoguda

Gesamtgehzeit: 1,20 h

Strecke: ca. 4km

Höhenmeter: 200 m

Schwierigkeit:  1/ 5

Hundetauglich: ja sehr einfach

Wasser: ja, aber ohne Zugang, deswegen mitnehmen

Wichtig: Informiere dich vorher über aktuelle Öffnungszeiten, besonders im Winter, 

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© Julia Schwärzer 

Kiener Dorfweg 18

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Italien 

 

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